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Persönlichkeit des Monats: Philipp Plattner

Der Obmann der Kellerei Bozen, Philipp Plattner, ist Landwirt und Winzer. Nach seinem Studium an der Universität Padua hat er in Frankreich, Deutschland und im Forschungszentrum der Laimburg gearbeitet. Seine Erfahrung und seine Expertise stellt er nun der Kellerei Bozen zur Verfügung.

Herr Plattner, woher kommt Ihre Leidenschaft für den Weinbau?

Ich wurde in Bozen in die Landwirtschaft hineingeboren, ich bin im Weinbau aufgewachsen und wurde von dieser Welt geprägt. In erster Linie bedeutet das, dass Familie und Beruf stark verwoben sind. So ist es im Weinbau und in der gesamten Landwirtschaft. An erster Stelle steht die Arbeit mit der Natur, doch dahinter steht eine Familie. Die Natur schenkt all ihre Früchte und Freuden, wenn man sich ihr unterordnet und auf sie hört, nur dann gelingt es, ihr das abzuverlangen, von dem wir leben. Die Natur sagt, was, wann und wie etwas zu tun ist. Das ist mitunter eine sehr emotionale und auch anstrengende Partnerschaft, die man eingeht. Einerseits gibt sie die Richtung vor, andererseits schenkt sie Freiheit. Zeitweise bringt sie große Sorgen mit sich – und dann schenkt sie tiefe Glücksgefühle.

Woher nehmen Sie die Kraft in Ihrem Beruf?

Die Natur ist gewaltig. Als Weinbauer braucht man die gesamte Kraft, die man aufbringen kann. Diese Kraft beziehe ich aus der eigenen Familie, die das Verhältnis zur Natur versteht und mitträgt. Kraft kann man auch aus Beziehungen schöpfen, die über die eigene Familie hinausgehen, Beispiel Genossenschaften. Unser Betrieb ist, wie viele andere starke Betriebe auch, in mehrere Genossenschaften eingebunden. Die sichtbarste ist sicherlich die Kellereigenossenschaft Bozen zur Veredelung der Trauben und der Vermarktung der Weine. Sie ist aber nicht die einzige. Die gesamte betriebliche Beratung ist gemeinschaftlich organisiert. Die Bewässerung beispielsweise wäre ohne genossenschaftlichen Zusammenschluss nicht sicher.

Ist es von Vorteil, einer Genossenschaft anzugehören?

Die Genossenschaft ist eine lebende Wertegemeinschaft. Sie hat den wirtschaftlichen Zweck, die eigenen landwirtschaftlichen Erzeugnisse zu veredeln. Was man in einer Gemeinschaft erzielt, wäre allein kaum zu schaffen. Schon in meiner Kindheit hat mich der genossenschaftliche Kellereibetrieb fasziniert. Das gemeinsame Anliefern der Trauben, die vielen Traktoren, die schönen Keller in ihrer Größe und die vielen Fässer, auch der Kellermeister – und wie er im Weinlabor die Weinproben verkostet. In meiner Jugend, als ich die Abläufe verstanden hatte, erkannte ich, dass ein genossenschaftlicher Betrieb Kompromisse finden muss. Erst mit der Zeit habe ich verstanden, dass dieses Zusammenspiel dazu führt, einzelne Ideen zu verbessern und dass es besser ist, gemeinsam zu überlegen als allein.

Wie bewerten Sie die Zukunft des Genossenschaftssystems?

In der heutigen Zeit sind die Menschen ständigen Veränderungen ausgesetzt. Es stellt sich die Frage, ob und wie man darauf reagieren muss. Als Genossenschaft darauf zu reagieren bedeutet, die Mitglieder einzubeziehen und die Aufgaben zu verteilen. Ich bin überzeugt davon, dass eine Genossenschaft den Veränderungen gut und gelassen begegnen kann.

Ihr Lieblingswein?

Mein Lieblingswein für alle Tage ist der St. Magdalener, kein Zweifel. Das bin ich, das trink‘ ich. Für besondere Momente, wenn ich mehr Zeit habe und Muse, wenn man sozusagen in die Tiefe gehen kann, ist es ein Lagrein Taber. Den gönne ich mir dann.

Auf dem Foto: Philipp Plattner, Obmann der Kellerei Bozen, Courtesy Kellerei Bozen